Sind 10 Jahre eigentlich lang oder kurz?Viele Menschen trauen sich jedenfalls nicht, so weit in die Zukunft zu blicken. Und selbst die Meinungsforschung hält sich angesichts dieser Zeitspanne lieber vornehm zurück. Bis jetzt. Gemeinsam mit dem Augsburger Kommunikationswissenschaftler Professor Frank Brettschneider haben wir ein ungewöhnliches Experiment gewagt, an dem sich die Besucher der Website beteiligt haben.

Wie sieht Europa im Jahr 2014 aus, wie leben wir in zehn
Jahren?Die HypoVereinsbank initiierte von Juni 2004 bis Dezember 2004 das Zeitkapsel-Projekt.
Zentrale Fragestellung: Wie sieht Europa in 10 Jahren aus, wie leben wir 2014? Ziel der
Zeitkapsel war es, die Menschen für Europa zu begeistern, und eine Diskussion über
die gemeinsame Zukunft anzustoßen.
„Wir wollen Menschen anregen, über die Zukunft Europas nachzudenken. Auch um Interesse und
Engagement für das Europa von morgen zu fördern.“ Prof. Dr. Frank Brettschneider von
der Universität Augsburg hat die Zeitkapsel mit einer Befragung begleitet, denn: „Europa ist
viel zu wichtig, als dass man es den Bürokraten überlassen könnte.“
Die Vorstellungen vom Europa im Jahr 2014 wurden in einem Fragebogen ermittelt, der von
Brettschneider konzipiert wurde. Neben ernsten Themen wie „Dollar oder Euro: In welcher
Währung wird 2014 Öl gehandelt?“ wurde auch Spaßiges abgefragt: „Wie
fänden Sie es, wenn zur Fußball WM im Jahr 2014 gemischte Teams aus Frauen und
Männern antreten?“
Szenarien, die den Teilnehmern dabei helfen, über die weite Spanne von zehn Jahren
zu blicken. Denn: viele Menschen trauen sich nicht zu, so weit in die Zukunft zu blicken.
Um in unserer schnelllebigen Zeit ein Gefühl für Zeit zu vermitteln, und um
die Zukunft greifbarer zu machen, setzten wir auf der Website drei verschiedene Nachrichten-Ticker
ein, die zeigen sollten, wie unterschiedlich eine Dekade wahrgenommen werden kann: 1994
wurde Michael Schumacher zum ersten Mal Weltmeister, der Eurotunnel zwischen Frankreich
und Großbritannien feierte Eröffnung. Darunter in Echtzeit aktuelle Topnews
des Jahres 2004, und wiederum darunter baten wir Experten und Besucher der Website, für
uns „Zukunftsnachrichten“ aus dem Jahr 2014 zu schreiben.
Dabei beschränkten sich die Autoren, u.a. Karl Heinz Rummenigge oder Kurt Weidemann,
nicht nur auf die Zukunft des Euros oder Europas: Geschrieben wurde über Fußball,
neueste Erfindungen oder eine Politik der Regionen.
Teilnehmer der Befragung konnten außerdem vertrauliche Audiodateien, Bilder und Texte
für die Dauer von zehn Jahren auf die Reise schicken.
Am 1. Januar 2005 hatte die Zeitkapsel Ergebnisse und persönliche Nachrichten von 1.751 Teilnehmern gespeichert und wurde von der HypoVereinsbank vom Netz genommen. Im Jahr 2014 werden die Datenpäckchen dann per E-Mail wieder an die Teilnehmer zugestellt. Und in einer weiteren Umfrage zeigt sich, welche Hoffnungen, Wünsche und Befürchtungen wahr geworden sind – und wie wir leben, im Europa 2014.