DIE NOTENBANKEN
Währungshüter in Deutschland: Deutsche Bundesbank und Europäische Zentralbank (EZB)

Die Deutsche Bundesbank wurde 1957 gegründet und war von 1975 bis zur Abgabe ihrer geldpolitischen Kompetenz an die Europäische Zentralbank im Jahr 2002 oberste Hüterin der Geldwertstabilität in Deutschland. Heute ist sie nach wie vor die Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland und Hüterin der Währungsreserven. Die EZB ist, genauso wie die Bundesbank, unabhängig und keiner Regierung unterstellt. Ihre Hauptaufgabe liegt in der Versorgung des Bankensystems mit Geld.
Oberstes Ziel der EZB ist die Preisniveaustabilität. Als Nebenziel gilt die Unterstützung der allgemeinen Wirtschaftspolitik. Auch Wechselkursziele kann die Zentralbank verfolgen. Darüberhinaus ist die Notenbank zur Wahrung der Finanzmarktstabilität verpflichtet.
Um diese Ziele zu erreichen, kann die Notenbank die Geldversorgung über die Geldmenge steuern und die Zinsen beeinflussen. Damit wirkt sie auf die Finanzierungsbedingungen in der Wirtschaft. Erhöht sie den Leitzins, verteuert sich die Kreditaufnahme. Gleichzeitig lohnt sich allerdings das Sparen, so dass die Menschen mehr Geld zurücklegen. Beides wirkt bremsend auf eine stark wachsende Volkswirtschaft. Die Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern sinkt, so dass Preiserhöhungen nicht länger durchsetzbar sind – und somit das Preisniveau stabil bleibt.
Senkt die EZB den Leitzins, werden Kredite günstiger und das Sparen lohnt sich nicht. So werden Anreize geschaffen, zu investieren und zu konsumieren. Eine lahmende Konjunktur kann so angeschoben werden. Aber: Da die Kapitalmärkte international mobil sind und die Zinsen auf Angebot und Nachfrage reagieren, wirkt eine Zinsveränderung durch die EZB nicht immer auf die Kreditkosten von Unternehmen und privaten Haushalten.

Die Geldmengenveränderungen durch die EZB sollen einerseits genügend Spielraum für Wirtschaftswachstum bieten, andererseits aber keine Inflation aufkommen lassen. Ein Beispiel: Soll die Wirtschaft um durchschnittlich drei Prozent wachsen und liegt das Inflationsziel bei zwei Prozent, muss die Geldmenge langfristig um fünf Prozent ausgeweitet werden.
Eine starke Gemeinschaft: Euro und Euro-Zone

27 europäische Staaten formen derzeit die Europäische Union, das sind etwa 500 Millionen Menschen, die mit ihrem Bruttoinlandsprodukt den größten Markt der Welt darstellen. Mit Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht im Jahr 1993 wurde die Gründung der Wirtschafts- und Währungsunion beschlossen. Daraus folgte 1999 die Einführung der Gemeinschaftswährung Euro als Buchgeld und im Jahr 2002 als Bargeld. Heute ist der Euro in 17 EU-Ländern die Landeswährung.
Die harten Kriterien für die Einführung des Euro (Konvergenzkriterien) hatte Deutschland in der EU durchgesetzt. Sie hießen: Stabiles Preisniveau, niedrige Zinsen, stabile Wechselkurse, gesunde Staatsfinanzen. Viele Länder, darunter Deutschland selbst, erfüllten diese Kriterien bei ihrer Festlegung nicht und mussten große Anstrengungen unternehmen, um sie rechtzeitig zu erfüllen.
Großbritannien und Dänemark entschieden sich gegen die Einführung des Euro. Sie hatten Bedenken gegenüber einer gemeinsamen Währung und vor allem gegenüber einer gemeinsamen Währungspolitik. Trotz eigener Währung sind die nicht teilnehmenden Länder stimmberechtigte Mitglieder der EU.
Der Einfluss des Dollars und anderer Währungen

Der US-Dollar ist nach wie vor die wichtigste Reservewährung der Welt. Auch die Europäische Union und Deutschland halten wesentliche Teile ihrer Geldreserven in der amerikanischen Währung. Es ist also hierzulande von Relevanz, wenn die Zentralbank in Amerika (Federal Reserve Bank, kurz: FED) in die Finanzmärkte eingreift.
Steckt Amerika in einer Wirtschaftskrise, versucht die FED durch Änderung ihres Leitzinses oder ihrer Geldmenge den Wirtschaftskreislauf wieder anzukurbeln. Die Wirkungsmechanismen sind dabei im Prinzip dieselben wie bei entsprechenden Maßnahmen der EZB. Häufig können wir beobachten, dass die Währung eines Landes aufwertet, wenn die heimische Zentralbank die Zinsen anhebt. Dieser Mechanismus wirkt auch in die andere Richtung: Eine Währung wertet tendenziell ab, wenn die Notenbank die Zinsen senkt.
Der Zusammenhang: Hohe US-Zinsen bewirken einen Zustrom ausländischen Geldes. Die Auslandswährung wird in den US-Dollar getauscht, der Dollar wird also vermehrt nachgefragt. Die Nachfrage treibt seinen Kurs in die Höhe – die Währung wertet auf. In der Folge werden amerikanische Güter für ausländische Nachfrager teurer, die Exporte werden gebremst.
Andersherum bewirken niedrige Zinsen, dass Kapitalanleger ihre Dollar verkaufen und in eine besser verzinste Währung tauschen. Der Dollar wertet ab. Nun werden die amerikanischen Waren im Ausland billiger. Das steigert die Exportnachfrage und damit das Wirtschaftswachstum.
Auch wenn die theoretischen Wirkungszusammenhänge von Zins und Geldmenge klar sind, ist die Praxis doch viel komplizierter: Es sind eine Vielzahl an Einflussgrößen und sich widersprechenden oder sich wandelnden Interessen, die auf eine Währung wirken.

Die chinesische Währung Renminbi nimmt eine zunehmend größere Rolle in der Weltwirtschaft ein. Da die Nachfrage nach chinesischen Gütern steigt, steigt auch die Nachfrage nach dem Renminbi. Tatsächlich versucht die Regierung Chinas jedoch, den Wert ihrer Währung niedrig zu halten. Damit möchte sie verhindern, dass die Preise für chinesische Güter zu stark steigen, so dass sich die heimische Bevölkerung die eigenen Produkte nicht mehr leisten kann.
Für Europa und Amerika bleiben chinesische Güter also günstig, was die Importe stärkt, aber den Export eigener Güter erschwert.
Es ist also auch die internationale Geld- und Währungspolitik, die das Wirtschaftsgeschehen in Europa beeinflusst.
