Seit 8 Jahren dient er als Währung, seit 5 Jahren als Zahlungsmittel – mittlerweile haben sich fast alle an ihn gewöhnt. Nur die Wenigsten trauern noch über den Verlust der D-Mark.
Nach wie vor gehen viele Anfragen bei der Redaktion von euro.de ein. Auf die häufigsten wollen wir Ihnen untenstehend Antworten geben. Sollten Sie Fragen zu den Euro-Banknoten an sich haben, verweisen wir auf die Homepage www.bundesbank.de/bargeld.
Wenn Sie sonstige Fragen zum Euro haben, mailen Sie uns doch unter Kontakt. Sie können sicher sein, dass wir Ihre Frage bei der nächsten Aktualisierung berücksichtigen werden.
Ihre euro.de – Redaktion
Im ersten Schritt wurden die Wechselkurse der EU-Währungen gegenüber dem US-Dollar im Konzertationsverfahren bestimmt; d.h. am 31.12.1998 meldeten die EU-Zentralbanken - einschließlich jener, die zunächst nicht an der Währungsunion teilnehmen - einander den Wechselkurs ihrer Währung zum US-Dollar. Im zweiten Schritt wurde dann der Wechselkurs der ECU zum US-Dollar bestimmt, der sich aus der Addition der US-Dollar-Gegenwerte der nationalen Währungsbeträge errechnet. Im dritten Schritt schließlich wurden die Wechselkurse der ECU gegenüber den Euro-Teilnehmerstaaten ermittelt, indem der ECU-Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar mit den Wechselkursen der jeweiligen Landeswährungen gegenüber dem US-Dollar multipliziert wurde.
Die Länder Zentral- und Osteuropas (CEE) sind bisher weltweit die einzige Region, in der der Euro signifikant als Parallelwährung neben der eigentlichen Währung, sowohl für Finanztransaktionen, als auch für Spareinlagen genutzt wird. Der Anteil des Euro als Reservewährung in den CEE-Staaten liegt bereits bei über 50 Prozent.
Auch in den Finanzmärkten der CEE-Staaten und der angrenzenden Balkanstaaten gewinnt der Euro immer stärker an Bedeutung. Beispielsweise beim Devisenumsatz und als Vehikelwährung beim Tausch zwischen der eigenen und einer Fremdwährung. Genauso aber auch als Finanzierungsmittel.
Darüber hinaus dient der Euro in CEE als beherrschende Ankerwährung für die jeweiligen Wechselkurse. Unlängst zog auch Russland nach und orientiert nun seinen Wechselkurs nicht mehr ausschließlich am USD, sondern an einem Währungskorb, in dem auch der Euro eine maßgebliche Rolle spielt. Und Polen und Bulgarien verwenden den Euro bereits als Rechnungswährung im internationalen Handelsverkehr.
Nach dem EU-Beitritt der zehn CEE Staaten zum 1. Mai 2004, dauert es noch einige Zeit, bis der Euro in allen diesen Ländern Zahlungsmittel in Form nationaler Banknoten und Münzen wird:
Beim EU-Beitritt haben sich die Staaten verpflichtet, den Euro nach Erfüllung der Konvergenzkriterien einzuführen. Darauf folgt die Teilnahme am Exchange Rate Mechanism II (ERM II; die II bezeichnet die dritte Stufe der European Monetary Union, also die Osterweiterung) und danach schließlich die definitive Euroeinführung.
Im Rahmen der ERM II, die in der Regel mindestens 2 Jahre dauert, werden die sehr unterschiedlichen makro- und mikroökonomischen Gegebenheiten der einzelnen CEE-Länder konsolidiert, bis sie den Konvergenzkriterien nominal und real entsprechen.
Als erstes Land tritt Slowenien zu Beginn 2007 der Währungsunion bei. Für die anderen Länder ist der Beitritt abhängig vom Erfüllungsgrad der Konvergenzkriterien sukzessive in den kommenden Jahren geplant.
Vor der Mitgliedschaft in der European Monetary Union (EMU) müssen sich die beitrittswilligen Staaten qualifizieren: Der EU-Vertrag benennt hierfür so genannte Konvergenzkriterien.
Bei der Auseinandersetzung um den Stabilitäts- und Wachstumspakt im November 2003 und das drohende Defizitverfahren gegen Frankreich und Deutschland geriet völlig in den Hintergrund, dass der Stabilitätspakt 1997 von Deutschland entwickelt und auch – gegen den Widerstand anderer EU-Staaten –durchgesetzt worden war. Der Anlass damals: Die Angst vor den weichen Währungen südeuropäischer Länder.
Was sieht dieses Verfahren, fixiert in Artikel 104 des EU-Vertrages und zwei ergänzenden Verordnungen, im Einzelnen vor? Das Defizitverfahren ist in fünf Stufen aufgebaut:
Beim erstmaligen Überschreiten der drei Prozent schreibt die EU-Kommission einen Mahnbericht (den "blauen Brief", der Deutschland 2002 drohte).
In Stufe 2 schalten sich die EU-Finanzminister ein: Sie stufen das Defizit bei Bedarf als "übermäßig" ein und geben Empfehlungen, wie der Defizitsünder spätestens im übernächsten Jahr wieder unter die 3 Prozent kommen kann (diese Empfehlungen erhielt Deutschland im Januar 2003 und hätte demzufolge 2004 die Stabilitätskriterien wieder einhalten müssen).
Als Stufe 3 kann die Kommission den betreffenden Staat "in Verzug" setzen und danach als Stufe 4 innerhalb zweier Monate zusätzliche Sparmaßnahmen verlangen (beides wurde im November 2003 bei der Kampfabstimmung der Finanzminister 8 : 4 ausgehebelt und abgelehnt).
Als 5. Schritt und finale Maßnahme droht eine milliardenschwere Sanktion, falls die zusätzlichen Sparmaßnahmen nicht realisiert werden.
Die Inflationsrate lag in Deutschland Ende 2001 bei 1,6 und 2002 im Durchschnitt bei 1,4 Prozent; die entsprechenden Zahlen für Euroland sind 2,4 (Ende 2001) und 2,2 Prozent. Die höchste Inflationsrate war dabei in Deutschland im Januar 2002 mit 2,1 Prozent messbar, was vor allem auf den Ölpreis und auf die Lebensmittelpreise zurückzuführen war. Diese statistisch gemessene Inflation bietet also keinen Anlass, den Euro als Teuro zu schimpfen.
Die gefühlte Inflation war jedoch deutlich höher: Etwa 75 Prozent der Bürger des Euroraumes sind der Meinung, die Preise haben durch die Einführung des Euro schneller zugenommen. Diese Diskrepanz zwischen Inflationswahrnehmung und statistisch nachweisbarer Inflation kann daran liegen, dass das Preisempfinden stark von Gütern und vor allem Dienstleistungen abhängt, die häufig konsumiert und unmittelbar bezahlt werden.
Dazu gehören etwa Nahrungsmittel, Friseur, Gastronomie, Kfz-Wartung und -Reparaturen oder Reinigung, die im Januar 2002 – kurz nach der Einführung des Euro als Zahlungsmittel – erhöhte Teuerungsraten zwischen 3,5 und knapp 6 Prozent erlebten. Dieser sogenannte 'fakultative Warenkorb' macht etwa 30 Prozent vom gesamten Warenkorb aus, der der Berechnung der tatsächlichen Inflationsrate zugrunde liegt.
Im November 2003, kurz nach seinem Amtsantritt als zweiter EZB-Präsident, griff Jean-Claude Trichet vor dem 'Center for Financial Studies' in Frankfurt zu einer biblischen Analogie: „Wenn Sie so wollen, ist dieses Gesetz in Stein gehauen.“ Damit betonte Trichet erneut die Preisstabilität als oberste Priorität der Europäischen Zentralbank:
Preisstabilität, so Trichet, ist die Grundvoraussetzung für nachhaltiges Wachstum, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Kaufkraft und sie kurbelt den Konsum an. Preisstabilität wurde von der EZB mit Hilfe des 'Harmonised Index of Consumer Prices' (HICP) definiert: Per annum darf der HICP in Euroland um nicht mehr als unter oder annähernd 2 Prozent steigen.
Die Rechnung ist nahezu aufgegangen: Seit Einführung des Euro Anfang 1999 lag der jährliche Anstieg des HICP im Durchschnitt bei knapp über 2,0 Prozent - trotz der starken Zunahme der Rohstoffpreise und der negativen Preiswirkungen der Vogelgrippe sowie der Rinderseuche (BSE).
Die magische Grenze von 2 Prozent trägt der jeder statistischen Berechnung immanenten Fehlerquote Rechnung: Eine Null-Inflation, berechnet nach dem HICP, käme de facto einer deflationären Entwicklung gleich. Der für die Inflationsberechnung verwendete Laspeyres-Index überschätzt generell das Ausmaß der Preisentwicklung.
Die Aufwertung einer Währung hat zwar den Nachteil, dass Exporte verteuert und damit erschwert werden. Dem aber steht entgegen, dass sich Importe – Öl, Rohstoffe und Zulieferteile – verbilligen. So werden zwar die Erträge geringer, aber auch die Kosten.
Und eine dauernd schwache Währung ist eine Art süßes Gift: Es nährt die Illusion, Unternehmen könnten auf leichte Art und Weise auf dem Weltmarkt erfolgreich sein. Ein Blick in die Geschichte lohnt sich: Die D-Mark wurde vielfach aufgewertet vor der Währungsunion und das haben die Unternehmen genutzt, um sich zu restrukturieren, sich wettbewerbsfähig zu machen und durch innovative Produkte trotz der harten Währung im Export zu reüssieren.
Die Binnenwirtschaft muss wachsen, die Angebotsbedingungen müssen stimmen und der Effekt des Wechselkurses auf die Preise kommt noch dazu – das alles unterstützt der harte Euro. Eine Aufwertung erleichtert zudem der Zentralbank das Geschäft: Bei schwacher Währung müsste sie die Zinsen erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen. Und die Erhöhung der Zinsen würde wiederum die Realwirtschaft bremsen.
Die Vorteile des starken Euro überwiegen sicherlich mittel- und langfristig.
Als Emissionswährung hat sich der Euro gut entwickelt und hält mittlerweile einen deutlich höheren Anteil (47%, September 2006) an den umlaufenden internationalen Anleihen als der USD (37%).
Parallel dazu stieg auch seine Bedeutung als Anlagewährung. Bei den Aktien dominiert aber weiterhin der USD aufgrund der Dominanz der US-Börsen.
Der Anteil des Euro als Reservewährung hat sich nicht wesentlich erhöht. Zwar haben die meisten Notenbanken der Welt, besonders in Asien, ihre Euroanteile erhöht, gleichzeitig werden jedoch die Währungsreserven heutiger Euroländer (die in vielen Ländern aus Währungen bestanden, die heute ebenfalls Euro sind, wie die DM) nicht mehr als Reserven gezählt: Der Euro ist im Euroland keine Währungsreserve. Dazu kam der Wertverfall des Euro bis 2001. Aufgrund seines stärkeren Kurses dürfte der Anteil des Euro inzwischen wieder deutlich gestiegen sein. Er liegt aber weiterhin merklich unter dem USD-Anteil von deutlich über 50%.
Der Euro hat in den letzten Jahren sicherlich an Bedeutung gewonnen und ist heute unbestritten die Nr.2 in der Welt nach dem USD. Änderungen in diesem Verhältnis sind, wenn überhaupt, nur sehr langsam zu erwarten.
Grundsätzlich haben die USA sicherlich erkennbare Vorteile aus der Leitfunktion ihrer Währung. Dies hat vor allem mit der ökonomischen Vorherrschaft (die USA haben 27% Anteil am Welt-BIP, der Euroraum 21%), aber wahrscheinlich auch mit der Vorherrschaft an den internationalen Kapitalmärkten und mit der politischen und militärischen Vorherrschaft zu tun. Weiterhin spielt auch die Notierung der wichtigen Rohstoffe in USD eine entscheidende Rolle.